SSES-Regionalbeilage Nordostschweiz  Nr. 5, Oktober 2009 - Seite 3 -

Hightech-Mistkübel mit Solarenergie

Abfallkübel, die den Müll mit Solarenergie zusammenpressen, findet man an vier zentralen Stellen in Stein am Rhein.
Sie haben sich bisher laut Oliver von
Ow, Leiter des Steiner Bauamts, bestens bewährt.

Edith Fritschi in den "Schaffhauser Nachrichten" vom 5. August 2009

Solar-Mistkübel in Stein am Rhein

STEIN AM RHEIN  Immer bleiben neugierige Passanten und Touristen stehen, denn die neuen, 1.20 Meter hohen und rund 60 Zentimeter breiten Abfallkübel in Stein am Rhein fallen auf. Big Belly Solar steht darauf, und das verlockt den einen oder anderen doch zu näherer Betrachtung. Zu finden sind die grossen Behälter, die seit April ihren Dienst tun, auf dem Rathausplatz, bei der Schifflände, bei der Gelateria und beim Undertor. Oliver von Ow, der Leiter des Bauamts, auf dessen Initiative hin Werkreferent Ernst Böhni die Solarkübel angeschafft hat, ist begeistert. "Wir sparen enorm Personal und Arbeit", sagt er. Die Big Bellys könnten die siebenfache Kapazität einer normalen Mülltonne von 80 Litern aufnehmen. Dadurch senken sich Abholungskosten, Arbeitszeit, CO2-Emmissionen und Benzinkosten für das städtische Fahrzeug, das die Kübel lehrt.

Energie aus der Natur
"Wo wir früher übers Wochenende manchmal gar zweimal täglich leeren mussten, sind die Intervalle deutlich länger geworden", sagt von Ow. "Jetzt haben wir etwa drei Tage lang Ruhe."Big Belly, die grosse bauchige Mülltonne, ist mit einer LED-Anzeige ausgestattet, die den aktuellen Füllstand anzeigt. Und die Funktionsweise des Abfalleimers mit seinem kabellosen Kompaktierungssystem ind denkbar einfach, will heissen, Big Belly holt sich die Energie aus der Natur. Ein an der Oberseite angebrachtes Solarmodul speist eine 12-Volt-Batterie, und bereits eine einzige Stunde Sonneneinstrahlung täglich reicht für die Energieversorgung des Müllsammelsystems aus. Speziell eingebaute Sensoren sorgen dann dafür, dass der Abfall bei einem bestimmten Füllstand mit einem Druck von 780 Kilogramm
zusammengepresst wird. So kann es der Hightech-Eimer locker mit einer normalen
Mülltonne aufnehmen, denn die Kapazität beläuft sich auf das Siebenfache. "Die Solarkübel sind besser als die Haifischkübel in Schaffhausen", sagt von Ow. Zwar sei die Anschaffung teurer, aber die Folgekosten würden à la longue spielend wieder eingespart. Denn die "Haie" müssten täglich geleert werden. Der Preis für die Solar-Bellys beträgt pro Stück rund 4300 Euro oder 6450 Franken; der "Hai" kostet mit rund 2000 Franken etwa einen Drittel.

Ein geschlossenes System
"Gleichwohl ist es eine sehr sinnvolle Investition", finden von Ow und Stadtrat Ernst Böhni. Denn da es sich um ein geschlossenes System handelt, ist es sicher vor Wespen, Bienen, Mäusen oder Ratten. "In der Nähe der Gelateria haben wir mittlerweile keine Viecher mehr", sagt von Ow. "Und Reklamationen wegen üblen Geruchs auch nicht.". Die Eimer wurden zuvor in einer dreimonatigen Testphase erprobt. Da sie sich  bewährten, wurden vier Stück angeschafft. In der Schweiz sind sie laut von Ow noch nicht sehr populär; in Österreich dagegen sind sie in Salzburg, Hallein oder Gmunden aufgestellt worden. Ursprünglich kommen die Solar Bellys aus den USA. Und dort ist man an einigen Orten schon einen Schritt weiter. Das US-Städtchen Sommerville im Bundesstaat Massachusetts hat eine Art Luxusausführung der vollelektronisch arbeitenden Tonne aufgestellt. Diese verschickt, sollte sie randvoll sein, automatisch eine SMS an die zuständige Stadtverwaltung. Das sind Möglichkeiten, wie man den überquellenden Müll auch hierzulande in den Griff bekommen kann ...                    -> www.bigbelly.com