SSES-Regionalbeilage Nordostschweiz  Nr. 6,  Dezember 2005 - Seite 3 - 
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Logistik-Hub Schaffhausen
 
 Karl Isler, Redaktor der SSES-Regiobeilage, Hinterdorf 34, 8239 Dörflingen
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Der ITS Apéro vom 31. Okt. 05 befasste sich mit Trends, Herausforderungen und Strategien in der modernen Logistik. Prof. Dr. Wolfgang Stölzle, Instituts-Direktor für Logistik an der Uni St. Gallen zeigte die bisherige Entwicklung auf und erklärte künftige Trends, während sich Rainer Stamm, Mitglied der Geschäftsleitung
der Rhenus Alpina Ltd., konkrete Beispiele des neuen Logistik-Verständnisses behandelte.

 

Entwicklungen und innovationen in der Logistik vor dem Hintergrund globaler Wertschöpfungsprozesse
Prof. Stölzle wies im ersten Teil seines Referates auf die rasante Entwicklung im Bereich der Logistik von 1970 bis 2000 hin.
Probleme in der Industrieproduktion ergaben sich durch:
- Variantenvielfalt
- kurze Produktionszyklen
- starke Nachfrageschwankungen
- Umstellung von "Make-to-stock" zu "Make-to-order"
- Kostendruck durch Produktionsverlagerungen usw.
Dadurch erhöhten sich die Anforderungen an die Logistik:
- Kurze Lieferzeiten
- Senkung der Logistikkosten
- "Just-in-time"-Zulieferung (keine Bestände mehr)
- Übernahme von Zusatzaufgaben, z.B. Abruf kurz vor dem Verbau von Teilen
- Bestellwesen, Auslieferung, Verzollung, Verrechnung.
Im zweiten Teil befasste sich Prof. Stölzle mit der Kontrakt-Logistik. Als Beispiel nannte er das "Outsourcing", von dem sich die Anwender allerlei versprechen:
- Kostenvorteile durch niedrigere Löhne
- Konzentration auf das Kerngeschäft
- Leistungsverbesserung
- Risikoverlagerung
- Auslieferung und Feinverteilung durch Spezialisten
Die logistische Einzelleistung (Transport von A nach B) wird durch immer komplexere Kontraktleistungen abgelöst. Statt Standard-AGB's braucht es komplexe individuelle Verträge, die auch nicht so schnell schadlos rückgängig gemacht werden können.
Interessant sind folgende Beispiele:
- Für Henkel musste das Logistik-Unternehmen komplette Lagerhäuser bauen und betreiben.
- Die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft ist diesbezüglich völlig abhängig von ihrem einzigen wichtigen Kunden Tchibol
- Bosch SIG-Pack hat 200'000 Artikel im Sortiment, jährlich kommen 2'500 dazu. Die Logistik-Firma wird zum Ansprechpartner weltweit, was zur Abwicklung der Ersatzteil-Lieferungen eine Offenlegung von Kundendaten durch die Produktionsfirma erfordert. Vorteile die sich ergeben sind Einsparpotentiale von 20%, Erhöhung der Lagerverfügbarkeit und Reduktion der Lieferzeit.
- Hendricks liefert und montiert in den Porsche-Werken in Zuffenhausen 800 Räder am Tag. Die Einsparung ergibt sich aus dem niedrigeren Lohnniveau bei Hendricks gegenüber dem der Autobauer.

Kontraktlogistik als praktisches Beispiel für innovative Logistik-Dienstleistungen
Rainer Stamm greift die Kontrakt-Logistik als Beispiel für innovative Logistik-Dienstleistungen in seiner Firma auf. Diese hat 2004 70 Millionen Fr. investiert in Container-Einrichtungen, eigene Lagerhäuser, Fahrzeugflotten usw.
R. Stamm spricht von integraler Logistik, die sich um Waren-, Informations- und Geldfluss kömmert. Beispiele:
- +GF+ Rohrleitungssysteme hat ein Sortiment von 40'000 Produkten, deren Vertrieg über eigene Gesellschaften erfolgt. Die Kunden werden aber alle vom selben Logistik-Dienstleister bedient, der eine standardisierte, am Internet nachvollziehbare Logistik (Easylog) samt Akkreditiv und Gefahrengutabwicklung, sowie die Lagerlogistik übernimmt, also praktisch die Vertriebsgesellschaft darstellt.
- +GF+ Wavin AG lässt mittels integraler Logistik (SAP und TM3 mit Easylog) 120'000 Sendungen für den Export und 36'000 Inlandsendungen verpacken, versenden und verrechnen.
Ähnliche Logistik-Dienstleistungen bietet die Rhenus-Alpina beispielsweise Kunden wie Cilag, ABB, Unilever, Leica, Adidas.
Die Logistik-Einrichtungen gehören der Rhenus, deren erklärtes Ziel es ist, beim Auffinden von Puzzle-Stücken stets zuzugreifen.

Diskussion: - Wie steht es mit dem Kostendruck durch höhere Transportkosten? Antwort: In erster Linie ist das Sache der Transporteure, die die Kosten mehr oder weniger weitergeben. Auch andere Probleme, wie Autobahnstau usw. (Risioko-Management) erlauben keine allzu enge Kalkulation.
- Wie ist der Umgang mit Versicherungen und diesbezüglichem Betrug? Antwort: Das Problem wurde verschlafen und muss noch aufgearbeitet werden. Als Beispiel wird die Stossdämpfermontage durch Logistik-Dienstleister genannt.

Prof. Dr. W. Stölzle Rainer Stamm