SSES-Regionalbeilage
Nordostschweiz Nr. 1 / April 2000 - Seite 3 -_________________________________________________________________________________
VW Lupo 3
Liter Pflanzenöl-Umbau
Karl Isler, Hinterdorf 34, 8239
Dörflingen
Tel.+Fax: 0878 87 77 91 E-mail: k.isler@ikd.ch
Was im Aufsatz "Die Sonne im Tank" in der
letzten Ausgabe der NOSEV-Sonnenpost
noch wie ferne Zukunft tönte, stand am 28. Dezember vor unserem Haus:
Ein rapsölbetriebenes 4-plätziges Automobil mit modernstem Komfort
und lediglich 3 Liter/100km Verbrauch.
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Um 16 Uhr nachmittags,
auf der Durchreise, noch schnell eine Probefahrt für den interessierten
Redaktor der Regionalbeiträge "SSES-Nordostschweiz" der
Sonnen-Energiezeitschrift, war der Grund für die eher zufällige
Bekanntschaft, die ich mit dem Alternativ-Fahrzeut machen durfte. Thomas Böhni, in
Fauenfeld zu Hause, wartete geduldig, bis ich Fotoapparat und Schreibzeug
herbeigeschafft hatte, bevor es losgehen konnte. Mein Blick fiel beim
Einsteigen auf den Hebel eines Automatikgetriebes, das sich per Klick auch
manuell schalten lässt. Das sei zwar im Normalbetrieb we-gen höheren
Verbrauchs nicht zu empfehlen. Mit 900 kg ist das Fahrzeug zwar noch kein
extremes Leichtgewicht, weist dafür den Komfort eines modernen Serienprodukts
auf: Zentralverriegelung, Airbags usw. sind selbstverständlich.
Verbrauchs-hemmend kommt beim 3-Liter-Lupo noch die Abschaltautomaktik beim
Stop an der Ampel hinzu, eine Errungenschaft, die es auch schon einmal gab
und eigentlich obligatorisch erklärt werden müsste... Beim Losfahren in
Richtung Gailingen-West geht's wie im gewohnten Automatik-Fahrzeug her und
zu: weiches Anfahren und zügige Beschleunigung ohne das, vom Diesel gewohnte
Nageln. Unsere Unter-haltung bedarf keines zusätzlichen Stimmauf-wandes. Die
Innengeräusche empfinde ich als äusserst angenehm. Natürlich interessiere
ich mich, was denn der Lupo wirklich verbraucht. Das in Deutschland umgebaute
Fahrzeug, bis jetzt 2'500 km unterwegs, habe tatsächlich einen
Durchschnittsverbrauch um 3 Liter auf 100 km, auch nach dem Pflanzenöl-Umbau.
Gefahren wird übrigens mit kaltgepresstem Öl, nicht zu verwechseln mit
Raps-Methyl- |
Ester (RME), eimem
aufwendig hergestellten Treibstoff mit viel schlechteren Abgaswerten als dies
bei Pflanzenöl der Fall ist. Ich erkundige mich deshalb nach der nächsten
Tankstelle. Das Rapsöl bezieht Thomas Böhniim süddeutschen Raum, aber nur
einmal im Jahr: Die 800 Liter Rapsöl reichen, um damit 25'000 km
zurückzulegen. Die Lagerung in Kanistern zu Hause ist problemlos möglich, das
das Pflanzenöl weder explosiv noch Grundwasser ge-fährdend ist. Kommt dazu,
dass dieser Treibstoff CO2-neutral ist. Was kostet so ein
Vierplätzer-Kleinwagen? Den Lupo an sich gibt es für 21'000 Fr., dazu kommen
Umbaukosten von 5-6'000 Fr., die zu 50% subventioniert werden (Programm
E2000). Der Preis des Rapsöls schliesslich entspricht dem Dieselpreis. Ein ebenfalls von
Thomas Böhni in Auftrag ge-gebener Umbau eines VW Passat (10-jährig) auf
Pflanzenöl ist mittlerweile nach 100'000 km Diesel-Betrieb nochmals 25'000 km
ohne jede Störung mit Rapsöl gefahren. Mittlerweile nimmt die
Probefahrt über die Kreu-zung beim Waldheim wieder zurück in Richtung
Dörflingen ihren weiteren Verlauf. Auch bergan merkt man überhaupt nichts vom
besonderen Treibstoff. Schon biegen wir wieder ins Hinterdorf ein. Zeit für
einen Kaffe bleibt nicht, denn der viel-beschäftigte Fahrer wird um 17 Uhr zu
Hause erwartet... Interessenten für den
Umbau von Dieselfahrzeugen vermittelt Thomas Böhni den fachgerechten Umbau in
ein Pflanzenöl-Farhzeug: Th.
Böhni, Ing., Industriestr. 23, 8500 Frauenfeld. |