Archiv

Beratung

Events

Mitgliedschaft

Regiobeilage

Solartechnik

Strohballenhaus

Biogas

Modellauto-07

Au Premier

Regio-Beilage

Sekretariat: Kosntanzerstr. 64, 9500 Wil 

www.sses-nordostschweiz.ch

nordostschweiz@sses.ch                071 911 84 84       


Vortrag Dr. Bertrand Piccard an der WUFA-09 in Wil SG

Vortrag Dr. Bertrand Piccard über sein Projekt Solarimpulse
gehalten an der WUFA in Will SG am 6. Sept. 2009
aus Anlass des 10-Jahr-Jubiläums der Regionalgruppe Ostschweiz der SSES.



Nach einer Einführung durch Daniel Grob, den Promoter der Veranstaltung und der Begrüssung der ca. 300 Zuhörer durch die Moderatorin Christine Mayer, begann Bertrand Piccard sein lebendiges Referat mit Lichtbildern in
Deutsch mit charmantem
Westschweizer Akzent
. Stets ein Lächeln im Gesicht, verstand er es nebst seinem neusten Projekt auch die Philosophie eines Pioniers zu erklären, aber auch zu zeigen, dass so grosse Abenteuer nur im Dienste einer guten Sache Sinn machen und der Menschheit weiterhelfen.

Unser Jahrhundert sei ein Jahrhundert der Herausforderungen. Neue Ideen seien nicht das Problem, sondern die Frage, wie sie umzusetzen seien. Wir waren schon immer Gefangene von einer gewissen Sicherheit, sagt Piccard. Aber bei jeder Gewissheit muss man den Blickwinkel verändern können. Wir müssen gegen sogenannte Gegebenheiten ankämpfen. Grossvaters Unternehmen in die Stratosphäre war zu gefährlich, weil scheinbar unmöglich, um versicherbar zu sein. Vaters Welt war die Tiefsee, die deren Schutz vor Abfallentsorgung zur Folge hatte, weil er auch in 8000 m Tiefe Fische entdeckte. Wohin sollte er, Bertrand Piccard, sich bewegen? Es blieb nur die Horizontale, die Weltumrundung im Ballon. Das Leben sei wie eine Ballonfahrt: Beides nimmt uns mit. Das Unbekannte sei interessant. Wenn es in die falsche Richtung geht, kann man die Flughöhe ändern, um in die richtige Strömung zu kommen.

Das Problem ist die praktische Umsetzung. Ein Ballon bewegt sich in andere Flughöhen durch Abwurf von Ballast. In jeder Krise müssen wir nicht nur das denken, was wir glauben, sondern auch das Gegenteil, was nicht unbedingt besser sein muss. Das gilt für Politik, Religion, Erziehung und Wissenschaften. Pioniergeisteshaltung ist die Suche nach der richtigen Flughöhe. Das erfordert auch Hilfe. Beim Ballonfahren sind es die Meteorologen, Leute mit langfristigen Visionen. Die fehlen uns heute, obwohl Umweltzerstörung, Schulden machen usw. allgemein bekannt sind. Die Bequemlichkeit alles gleich wie die andern zu machen, lässt uns inaktiv sein. Erst über dem Pazifik wurde die „Ferienreise" seiner Ballonfahrt um die Welt zum Abenteuer. Alles musste über Bord geworfen werden, um Gas zu sparen. Eine ganz andere, als die geplante Route musste gewählt werden. Von den ursprünglich 5 to Gas blieben letztlich noch 40 kg übrig. Darauf nahm sich Piccard vor, den nächsten Flug um die Welt ohne Treibstoff zu machen.

Die nächste Generation wird sich wundern über die Dummheit unserer Generation, prophezeit Piccard. Im 20. Jahrhundert wurde der Mond erobert. Nun, da alles erreicht ist, gilt es alles bisherige besser zu machen. Die Pioniergeisteshaltung erfordert, dass wir durch das Eis gehen. „Was ist die nächste unmögliche Sache?" ist die Frage, die uns bewegen muss, z.B. die Unabhängigkeit vom Erdöl. Es wird zwar teurer, aber es hat ja noch. Der Klimaschutz muss ja erst in 50 Jahren, nach landläufiger Meinung, erreicht sein. Diese Probleme müssen anders angepackt werden. Alte Technologien sind gefährlich, denn sie bringen Armut, die immer näher zu uns kommt. Die Armut wurde ab 1997 auch bei uns wieder grösser zufolge Steigerung der Energiepreise. Die Arabischen Emirate haben es viel besser verstanden dem schwindenden Erdöl etwas entgegen zu setzen. Mit riesigen Investitionen in neue Technologien bereiten sie sich auf die Zukunft vor.

Solarimpuls ist eine Möglichkeit für neue Technologien Werbung zu machen. Solarflugzeuge der Vergangenheit hatten keine Möglichkeit die Sonnenenergie zu speichern. Bei einer Weltumrundung müssen die Solarzellen die Motoren antreiben und die Batterien für den Nachtflug aufladen. 1 Liter Öl entspricht dem Energieinhalt von 35 kg Lithiumbatterie. 200 m2 Solarenergie reicht für die Beleuchtung eines grossen Weihnachtsbaums. Herausforderung und Ziel ist es, mit dieser Energie um die Welt zu fliegen! Dabei gilt es effizient Energie zu sparen um den Rest samt einem Piloten um die Welt zu tragen.

Es ist möglich, weg vom Öl zu kommen, aber der politische Wille fehlt. In neue Technologien investieren bedeutet neue Arbeitsplätze und neue Märkte zu schaffen. Die Deutsche Bank hat beispielsweise ihre beiden Türme des Hauptsitzes energetisch sanieren lassen und wird alles in 5 Jahren durch die eingesparte Energie abbezahlt haben. Die Zukunft des Öls ist nicht die Verbrennung. Das Kohlefasergestell des Solarimpuls, auch ein Ölprodukt, wiegt lediglich 50 kg, kann also von 2 Leuten getragen werden. 72 Mio. Franken wurden bisher für das Projekt gesammelt. Nebst den Materialkosten werden daraus auch mittlerweile 70 hoch qualifizierte Mitarbeiter bezahlt. André Borschberg und Bertrand Piccard haben 2003 das Projekt gross angekündigt, um der Sache den nötigen Schwung zu geben. So gab es für die Initianten auch kein Zurück. Der erste Solarimpuls wird bald betriebsbereit sein. Ziel ist es, ohne fremde Hilfe zu starten und auf 9000 m aufzusteigen. Sinkflug und die Energie aus den Batterien erlauben dann auch während der Nacht ohne Treibstoff zu fliegen.

In unserer Welt ist es gleich wie bei diesem Projekt: Wenn wir nicht drastisch sparen und neue Technologien anwenden, wird es ein gewaltiges Desaster geben. In jedem Moment unseres Lebens, wo wir uns nicht zu entscheiden wissen, müssen wir die Gegebenheiten über Bord werfen, Pioniergeist entwickeln. Wir müssen bereit sein anzupacken, auch wenn das ein gewisses Risiko beinhaltet. Begeisterung für die Zukunft ist wichtig!

 

 

Podiumsgespräch mit Bertrand Piccard, im Anschluss an sein Referat

Den Fragen der Moderatorin Christine Mayer stellten sich folgende Persönlichkeiten:

  • Monika Hofer, Managerin zweier Garagebetriebe in Wil
  • Theophil Pfister, Nationalrat SVP St. Gallen
  • Bosco Bühler, Planungsbüro, Mitbegründer von Mobility
  • Kurt Egli, Projektleiter VCS-Umweltliste
  • Urs Schwegler, Projektleiter E-Mobilität

Mayer: Wie gross ist das Interesse der Kundschaft an alternativen Energien?

Hofer: Im Alltag wird Wert auf weniger Treibstoffverbrauch gelegt.

Mayer. In den 90er-Jahren gab es schon einmal E-Mobilität. Warum ist sie gestorben?

Bühler: Der Preis stimmte damals nicht. Bin selber 60'000 km währen 19 Jahren mit einem Elektromobil gefahren.

Hofer: Auch Audi bot schon vor 15 Jahren den Audi Duo an.

Mayer: Warum ist der Druck zum Umstieg noch nicht gross genug?

Piccard: Die kritische Masse ist noch nicht erreicht. Die Automobil-Industrie wird die Vorgaben der Politiker erfüllen, wie das Beispiel EU zeigt.

Pfister. Alles muss politisch machbar sein. Für den ganz grossen Wurf sind noch zu grosse Widerstände da.

Piccard: Regeln bezüglich Verbrauch usw. müssen die Industrie in die gewünschte Richtung leiten. Diese wird die Regeln wohl oder übel übernehmen müssen um sich nicht selber zu zerstören.

Schwegler: vergleicht das Wiederauftauchen der E-Mobilität mit der Halbwertszeit-Theorie.

Egli: Der EU-Entscheid bezüglich CO2-Ausstoss hat geholfen, diesen entscheidend zu senken.

Bühler: plädiert für Fördergelder und Nachhaltigkeit.

Piccard: findet Fördergelder nicht mehr die beste Lösung. Wenn die Technologien existieren, kann man die Implementierung innert 5 Jahren

                    verlangen.

Hofer: Die Hersteller müssen Kooperationen eingehen und auch politisch gezwungen werden, öklologisch bessere Autos zu produzieren.

Mayer: Die Batterien für Elektroautos sind noch zu teuer. Warum?

Egli: Das spielt künftig keine Rolle mehr, wenn ein Batterie-Leasing mit den Stromkonzernen ausgehandelt ist.

Piccard: fährt persönlich seit 5 Jahren einen Lexus und einen Prius-Hybrid und hat dabei 7000 lt. Benzin gespart. Sind Batterien wirklich zu teuer, wenn wir an die Kaufgewohnheiten z.B. bei Kleidern erinnern?

Pfister: Photovoltaik ist im Vergleich um den Faktor 5 teurer als Solar-Warmwasser. Grosse Projekte laufen über thermische Systeme. Die Zukunft seien Tiefbohrungen. Er ist auch für PV-Anlagen in der Sahara.

Egli: bestreitet den von Pfister behaupteten Preis von 5 Rp./kW aus Grosskraftwerken.

Bühler: findet die Vielfalt der Solarnutzung wichtig.

Piccard: sieht eine Situation ähnlich dem Gotthard-Tunnelbau, der damals auch als teuer verschrieen wurde. Ohne diesen wären wir aber ein armer Agrarstaat geblieben.

Schwegler: Erdöl sollte künftig nicht mehr verfahren werden. Der Leidensdruck ist aber auf allen Ebenen noch viel zu klein.

Mayer. Wie könnte man sich künftige Mobilität vorstellen?

Bühler: plädiert für elektrische Massentransportmittel, sprich Eisenbahnen.

Schwegler: glaubt nicht an Allzweckautos in den nächsten 30 Jahren. Als Lösungen aus heutiger Sicht weist er auf Citelec hin. Für Gröberes biete sich der Range-Extend an.

Egli: sieht die allgemeine E-Mobilität in sehr viel kürzerer Zeit auch bei uns einziehen.

Schwegler: führt Sicherheitsprobleme mit Leichtbaufahrzeugen ins Feld.

Hofer: Man kann selber auch etwas tun durch die Wahl effizienter Fahrzeuge.

Egli: erklärt, wieso Autos, seiner Meinung nach, ausgefahren werden sollten.

Pfister: 400 kg für die Batterien sind zu schwer. Er träumt von elektrischer Versorgung über das Netz der Hauptstrassen und Autobahnen mittels induktiver Stromübertragung.

Piccard: hält den Weg über den Wasserstoff für eine interessante Sache.

Schwegler: hat Mühe mit der Trennung der guten von den schlechten Ideen.

Pfister. gibt sich als Promotor für grössere elektrische Produktion mittels AKW zu erkennen. Dann sei der Einsatz von Wasserstoff als Autoantrieb leicht zu bewerkstelligen.